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Kategorie: Vietnam

Der rote Rausch

…so hat Die Zeit mal einen Artikel zum Wirtschaftswachstum Vietnams betitelt. Und nirgendwo sonst ist dieser Aufschwung am besser zu besichtigen als in der Hauptstadt Hanoi.

Offiziell wird dem Kommunismus gehuldigt.

Im Old quarter ist nicht nur der Tourismus groß, sondern auch Laden an Laden reiht sich überall aneinander. Hier findet sich nicht nur das übliche Zeug was Touris so kaufen, sondern auch Elektronik, Beleuchtung, Kaffee, Geschenke und alles was man sich so vorstellen kann.

Zum Tet-Neujahrsfest gibts alles was der Baum zur Deko benötigt.

In den engen Gassen zwischen den Häusern findet das eigentlich Leben statt und neben Suppenküchen findet man dort vorallem vorzügliche Plätze um den berühmten Egg-Coffee zu schlürfen. Sehr toll.

Die Eier wollen in den Kaffee!

Die 3 Tage in der Stadt nutze ich zum shoppen, sightseeing und chillen. Es ist sehr angenehm mal wieder länger an einem Ort zu sein und z.B. einen Schreibtisch zu haben. Mit ner Apfeltasche und dem MacBook lässt es sich doch angenehmer bloggen als auf dem Schoß im Bus… Auch wenn ich alleine wohne, treffe ich doch überraschend viele deutsche Backpacker und das Sozialleben schläft nicht ganz ein. Abends bietet Hanoi viele Möglichkeiten zum Biertrinken; die beste ist vermutlich am Gleis der Zugstrecke, die mitten durch die Innenstadt fährt.

People of Instagram.

Immer wieder spaßig zu sehen wenn der Verkehr aufgehalten wird, die Leute ihre Tische am Gleis zusammenklappen und dann der Personenzug durchrollt.


Der rote Rausch hat mich am Ende nicht nur in Hanoi mitgenommen, sondern auch die letzten 3 Wochen kann ich durchaus als Rausch bezeichnen. Ich kann mich nicht erinnern dass ich in so kurzer Zeit sooft Bus gefahren bin und die Unterkunft gewechselt habe. Alles in allem war es aber den Aufwand wert und wenn ich morgen in den Flieger steige, meine ich zu behaupten zu können dass ich einen sehr guten und umfangreichen Eindruck über Land und Leute erhalten habe.

Die Vietnamesen sind jung, aufgeschlossen und generell ein guter Menschenschlag.

Es ist so gut wie sicher, dass es nicht der letzte Besuch in diesem Land gewesen ist. Deshalb Cam On (Danke) Vietnam für die gute Zeit!

Skull Island

Nach den Höhlen von Phong Nah wirft mich der Sleeperbus am nächsten Morgen um 4 Uhr in der Kleinstadt Ninh Binh raus. Im Dunkeln kann ich es nur erahnen aber tagsüber ist klar – ich bin auf Skull Island gelandet. Der Insel aus einem der coolsten Monsterfilme der letzten Jahre – King Kong: Skull Island.

Szenerie auf den Kanälen rund um die Felsenlandschaft.

Überall ragen grünüberwachsene Felsen aus den überfluteten Reisfeldern. Dazwischen findet sich Pagoden und Tempel, einerseits auf Bergspitzen thronend, andereseits in abgelegenen Buchten schwimmend.

Ein heiliger Ort.

Die Landschaft ist atemberaubend und noch besser ist es sie mit dem Roller, Fahrrad oder dem Ruderboot zu erkunden. Ich mache alles Drei und verbringe gute 24 Stunden in der Gegend.

Hang Mua Tempel.

Das Homestay ist ebenfalls außergewöhnlich und Nachts verschlägt es mich mit der Family auf die Walking Street in Ninh Binh. Westler sind gern gesehenes Foto-Accessoire zur Tet-Neujahrsdekoration und ich mache den Spaß gerne mit 🙂

Neujahr wird ab 4ten Februar gefeiert.

Es ist eine schöne Zeit in Ninh Binh und ich hoffe dass es auf Cat Ba – der Insel vor der Ha-Long-Bay ähnlich weitergeht. Leider nein denn ein weiteres Mal trifft mich die Magen-Darm-Keule und setzt mich einen Tag außer Gefecht. Das Zimmer mit der klammen Luft ist auch nicht das beste, weswegen ich mich freue, als ich die Unterkunft nach 3 Nächten endlich verlassen kann.

La-Han-Bay.

Immerhin kann ich an einer Tour durch die La-Han-Bay teilnehmen, sodass ich noch einige mehr Eindrücke von der Insel, der Bay und dem Wildlife mitnehmen kann.

Klettertour auf Monkey Island.

Wir verbringen einen lustigen Nachmittag mit Ryan auf nem Boot und das Highlight ist sicherlich die Kajak-Tour durch weitere Höhlen.

Kajak-Tour.

Ein ziemlicher Spaß mit der Krönung, dass wir die seltenen Languren-Affen Cat Bas zu Gesicht bekommen. Toll!

So eine Kokusnuss ist hart zu knacken.

Die Tour entschädigt etwas für die anderen Turtouren und mit Hanoi am Horizont sieht alles schon rosiger aus.

Sonnenuntergang über Cat Ba.

Auf den Spuren der Nguyễn-Dynastie

Nach dem Heimaturlaub in Da Lat muss ich feststellen dass der nächste Stopp Hue doch mindestens eine 20 Stunden Nachtbusfahrt entfernt ist. Da Zeit einfach viel Zeit wert ist, nehme ich den Direktflug mit ner Propellermaschine nach Da Nang. Hier mache ich einen Nacht Zwischenstopp aber die drittgrößte Stadt Vietnams hat leider außer etwas Militärgeschichte nichts zu bieten. Am nächsten Tag nehme ich den Local-Bus für Nix nach Hoi An. Eines der großen touristischen Ziele in Vietnam. Die Stadt selbst wurde erst nach dem Krieg aus dem Dornröschenschlaf aufweckt und die Altstadt wurde groß saniert und für Laternenspektakel am Hafen steuern nicht nur viele vietnamesische Pärchen, sondern auch Fototouristen aus aller Welt, die pitoreske Stadt an.

Hoi An zur Mittagszeit. Alle sind noch beim Schneider…

Ich möchte ein wenig ausspannen und wähle bewusst ein Bungalowkomplex außerhalb der Stadt. Eine gute Wahl denn dort verbringe ich 2 tolle Tage mit tollen Leuten, gutem Essem, günstigem Bier und einem Abend am Strandlagerfeuer.

Die Hostel-Crew am Strand.

Die Hostelgemeinschaft erkundet auch gemeinsam die Stadt und wir haben einfach eine gute Zeit. Das Schneidern eines Anzugs lasse ich dieses Mal aus, auch wenn es vermutlich mehr Tailors als Restaurants in der Stadt gibt! Mit einem weinenden Auge verlasse ich die Strandunterkunft nach 2 Nächten.

Hoi An – Laternen an jeder Ecke.

Es war gemütlich und ich wäre gerne länger geblieben; aber der Bus ruft und bis zur Ha-Long-Bay sind noch über 1000km zu überwinden. Ich teile die Strecke in kleine Happen auf – der nächste Stopp ist Hue – die alte Kaiserstadt am Perfume River.

Royalen Glanz kann sich heute jedermann für wenig Geld ausleihen.

Auch hier bleibe ich nur eine Nacht, dank Grab-Bike-Driver komme ich im halben Tag trotzdem gut rum und sehe den morbiden, aber geil anzusehenden verlassenen Wasserpark,

Lost Places. Cool.

eines der vielen Gräber und eine Pagode sowie das Weltkulturerbe der Zitadelle. Diese wurde leider in den Kriegen gegen die Franzosen sowie die Amerikaner schwer in Mitleidenschaft gezogen, sodass nur noch 20 % der Gebäude zu bestaunen sind.

Die Zitadelle ist trotzdem sehenswert.

Allerdings ist der Tourismus die Zukunft von Vietnam, weswegen einige der schönsten Gebäude in den nächsten Jahren wiederhergestellt werden sollen. Man darf gespannt sein, wie sich die boomende Touristenszene dann weiterentwickelt!

Nach dem halben Tag Sightseeing gehts mit dem Sleeperbus weiter nach Phong Nah – eine Stadt von der ich bis Hoi An nichts gehört habe, die aber gut auf dem Weg nach Norden liegt. Dort mache ich eine Tagestour zu wohl berühmten Höhlen. Ich bin fasziniert, dass in der Gegend einige der größten Höhlen der Erde zu bestauen sind und freue mich dass die Paradise Cave und Phong Nah Cave noch nicht groß auf internationalen Touristenrouten auftauchen.

Wenig los in einer der größten Höhlen der Welt.

Der Tag ist intensiv aber super und auch dieses Mal geht es nach einer Nacht schon wieder weiter…

Đà Lạt

Nach 9 Stunden Sleeperbus erreiche ich am frühen Morgen die Stadt Da Lat. Mir weht eine angenehm frische Brise entgegen und nicht nur das Wetter und die Landschaft lässt Heimatgefühle aufkommen.

Europäischer Flair.

Der ehemalige Königssitz ist geprägt von Erbe der Europäer und neben Gehwegen und freistehenden Häusern versprüht das gesamte Stadtzentrum einen Charme von Südfrankreich oder Südosteuropa. Mein Hostel ist ruhig gelegen und per Rollertaxi und einer Tour lassen sich in den 3 Tagen alle kleineren und größeren Sehenswürdigkeiten abklappern.

Das „Crazy House” in Da Lat.

Zu letzteren würde ich generell das Stadtbild, das „Crazy House“, eine Kaffeefarm mit Wiesel-Scheiße-Kaffee und den Elephant-Waterfall zählen.

Elephant-Waterfall.

Die Stadt selbst hat jetzt nicht das größte Nachtleben zu bieten und auch sonst ist zu erahnen, dass der touristische Ausbau gerade begonnen hat.

Wiesel-Kaffee.

Nichtdestotrotz habe ich eine gute Zeit hier und als am letzten Abend ein Engländer, eine Polin und ein Deutscher den Nachtmarkt unsicher machen, glaube ich dass ein paar gute Erinnerungen hängen bleiben werden.

Riding the dragon

Entlang des Drachens, wie die Vietnamesen ihren Teil des Mekongs nennen, bewege ich mich von Phnom Penh Richtung Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) und später noch eine Ecke weiter Richtung Süden nach Can Tho. Ich bin froh Kambodscha hinter mir zu lassen und nach einer entspannten Busfahrt und unproblematischen Grenzüberschreitung (E-Visa sei Dank) erreiche ich Saigon.

Die Notre Dame von Saigon..

Die größte Stadt Vietnam ist pulsierend und nicht nur an der Rollerdichte oder der Menge an Smartphone-Läden ist abzulesen, dass Vietnam sich in einem massivem Wirtschaftsaufschwung befindet.

Ich fühle mich gleich sicherer als im „armen“ Kambodscha aber werde am ersten Tag dazu direkt hart auf die Probe gestellt. Erst zockt mir der Taxifahrer 20 statt 2€ (also 700.000 Dong statt 70.000 Dong) für die Fahrt ab und dann verderbe ich mir Abends noch den Magen. Ich ignoriere das Drachenfeuer in meinem Magen und auch die gigantischen Beträge kann ich am nächsten Tag bereits besser handeln (alles über 50.000 Dong direkt aus dem Sichtbereich wegpacken!). Die Ankunft ist dank des tollen DaBlend-Hostels trotzdem angenehm. Nach einem Chill-Tag lerne ich am zweiten Abend nicht nur einige Kanadier und Engländer, sondern auch einige liebe Leute des vietnamesischen Staffs kennen. Schön mal wieder unter Leuten zu sein und nachdem wir einen Abend zusammen beim Kochen, Karaoke singen und auf der Pubstreet verbracht haben, verabreden wir uns im Laufe der Reise uns mal wieder zu treffen; mal sehen ob das klappt.

ie Gäste und das Staff haben sich super verstanden.

Saigon selbst bietet ein interessantes Museum zu den Vietnam-Kriegen des 20. Jahrhunderts und einige Kolonialbauten, unter denen sicherlich das Postamt herausragt.

Ho Chi Minh wacht über das Postamt.
Das etwas propagandistisch verklärte Kriegsmuseum.

Ansonsten wieder Tempel und diverse Märkte; das Muster bleibt in Asien gleich und langsam freue ich mich mal wieder auf was anderes als den X-ten Shop mit Northface-Rucksäcken oder Under-Armor-T-Shirts (vermutlich alles Fakes). Einzig und allein mit dem Streetfood und generell dem vietnamesischen Essen bin ich noch net ganz so warm geworden, was vorallem daran liegt dass kaum wer gut Englisch spricht und selten Bildchen des Essens zu sehen sind…hmm.

Im Hostel kochen wir selbst!

Nach 4 Nächten Saigon möchte ich noch die Reisgegend des Südens und generell des Mekong-Delta erleben. Dies mache ich von Can Tho, einer Stadt ohne große Sehenswürdigkeiten im Süden Vietnams. Im Hostel buche ich eine geführte Tour – diese geht am nächsten Tag 6 Stunden und führt mich ab morgens um 5 Uhr auf zwei Floating-Markets, in eine Nudelfabrik, eine Fruchtfarm.

Floating markets sind am aussterben…jeder hat einen Roller heutzutage.

Kann man mal machen; nur das ganze Bootfahren und einige nervige Franzosen (die kein Englisch gesprochen haben) hat meine Stimmung etwas eingetrübt. Bevors am nächsten Tag mit dem Sleeper-Bus nach Da Lat geht, habe ich noch etwas Zeit totzuschlagen. Der 23-jährige Tourguides des Vortags fragt mich, ob ich Bock habe mit ins erste Semster Englisch an seiner Uni zu kommen. Warum nicht sage ich mir und so finde ich mich kurz drauf als Ehrengast im Englischkurs wieder und darf Fragen zu Deutschland und Umgangsformen beantwortet, erfahre von den Schülern aber auch ein paar interessante Sachen. Alles in allem mal eine tolle und einzigartige Erfahrung!

Dem Klassenfeind wird gerne zugehört.

Nun ist schon fast die erste Woche Vietnam vorbei und bisher ist das Fazit positiv!