{"id":62,"date":"2011-05-18T14:54:46","date_gmt":"2011-05-18T14:54:46","guid":{"rendered":"http:\/\/hofherrm.de\/blog\/?p=62"},"modified":"2012-05-06T20:34:03","modified_gmt":"2012-05-06T20:34:03","slug":"was-deutsche-von-den-amerikanern-lernen-konnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/hofherrm.de\/blog\/2011\/05\/was-deutsche-von-den-amerikanern-lernen-konnen\/","title":{"rendered":"Was Deutsche von den Amerikanern lernen k\u00f6nnen"},"content":{"rendered":"<p>In meinen bald 5 Monaten habe ich\u00a0viel \u00fcber die &#8222;verr\u00fcckten&#8220; Amis geschrieben und dass alle hier am Rad\u00a0zu drehen scheinen. Doch selbst von den Amis k\u00f6nnen sich die Deutschen einige\u00a0Scheiben abschneiden was diverse Dinge angeht.<\/p>\n<p><span lang=\"DE\"><strong>Uniformen elimieren soziale\u00a0Unterschiede.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Auch wenn viel \u00fcber das amerikanische Arbeitssystem, mit seinen 7 Tage Wochen\u00a0und fehlender Krankenversicherung, gemeckert wird. Was mir hier besonders\u00a0gef\u00e4llt sind die Arbeitsuniformen. Es gibt viele h\u00e4ssliche Exemplare, aber die meisten,\u00a0auch diese hier im Unternehmen, sind sehr schick (es gibt Polos, Pullover,\u00a0Longsleeves, blaue und wei\u00dfe Hemden) und vermitteln einen gewissen\u00a0Coolness-Faktor. Neben dem klaren Vorteil, dass man morgens nicht lange nach\u00a0Klamotten suchen muss, steigt die Verbundenheit zum Unternehmen und das\u00a0Bewusstsein f\u00fcr die Arbeit. Wenn ich meine Klamotten anhabe, geh\u00f6re ich dazu\u00a0und verhalte mich auch anders. Speziell bei BMW hat die &#8222;Uniform&#8220;\u00a0noch den Vorteil, dass der Vorname aufgestickt ist und man so nie Verst\u00e4ndigungsprobleme\u00a0hat. &#8222;Hallo \u00e4h &#8230;&#8220; geh\u00f6rt der Vergangenheit an. Das Konzept der\u00a0gleichen Ebene dr\u00fcckt sich auch so aus, dass man vom Bandarbeiter bis zum\u00a0Werksleiter jeden mit Vornamen anredet. In Deutschland undenkbar ist das hier\u00a0Gang und gebe und hilft einem schnell in ein Gespr\u00e4ch zu finden. Klar ist es\u00a0hier dann schwer Oberfl\u00e4chlichkeiten von pers\u00f6nlichen Dingen zu unterscheiden,\u00a0aber in einigen Wochen hat man auch das raus.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/18\/89\/07\/10608907.b4ca4efc.500.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"301\" \/><\/p>\n<p><span lang=\"DE\"><strong>Generelle Freundlichkeit und\u00a0Optimismus<\/strong><\/span><\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Deutschland jeder erst einmal wesentlich pessimistischer an Dinge\u00a0rangeht, ist das hier anderst. &#8222;The american way of life&#8220; existiert\u00a0noch und verschafft den Menschen hier eine gewisse Grundfr\u00f6hlichkeit, die erst\u00a0einmal ansteckend ist. Viele Freundlichkeitsfloskeln sind aufgesetzt, aber\u00a0oftmals haben die Menschen oft ein Interesse an dem eigenen Befinden und freuen\u00a0sich wenn man auf &#8222;How are you&#8220; auch mal &#8222;Fine. Today is a nice\u00a0day&#8220; antwortet. In Deutschland regen wir uns zu oft \u00fcber kleine Dinge\u00a0ma\u00dflos auf. Hier wird das oft mit einem Schulterzucken hingenommen und &#8222;es\u00a0wird schon weitergehen&#8220;. Ob das Auto am Stra\u00dfenrand liegt oder der\u00a0Schuldenberg exorbitant w\u00e4chst. Alles ist halb so schlimm und wird oft auch mit\u00a0einer gesunden Dosis Sarkasmus ausgeglichen (&#8222;Meine Studiengeb\u00fchren sind\u00a0so hoch &#8211; aber was solls &#8211; 2027 habe ich alles abbezahlt&#8230;&#8220;)<\/p>\n<p><span lang=\"DE\"><strong>Kunde ist K\u00f6nig<\/strong><\/span><\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Deutschland der Kunde im laufenden Betrieb nur zu st\u00f6ren scheint, so\u00a0steht er hier in Amerika noch im Mittelpunkt. Generell wird man \u00fcberall\u00a0herzlich begr\u00fc\u00dft und nach dem Befinden gefragt. Im Restaurant bekommt man\u00a0ungefragt Wasser hingestellt, oft auch kleine Snacks. Gerne geben die Bedienungen\u00a0Auskunft \u00fcber ihre eigenen Lieblingsessen und wenn man mal nach\u00a0rekordverd\u00e4chtiger Zeit sein Essen vor der Nase hat, wird man (fast schon zu\u00a0oft) gefragt ob es schmeckt. Ist dies nicht der Fall kann man auch das\u00a0halbaufgegessene Steak ohne Probleme zur\u00fcckgeben und bekommt ein Neues. Ist der\u00a0Kunde zufrieden muss man sich nicht vor schlechten Restaurantkritiken im\u00a0Internet f\u00fcrchten (diese z\u00e4hlen hier wesentlich mehr als in Deutschland).<\/p>\n<p>Auch im Supermarkt ist der Kunde noch K\u00f6nig. Ich habe oft \u00fcber die \u201edumme\u201c\u00a0Wal-Mart-Politik geschrieben \u2013 viele Artikel ungefragt 90 Tage zur\u00fcckzunehmen.\u00a0Eigentlich sollten sich Real, Media Markt und Co. da mal eine Scheibe\u00a0abschneiden. Wenn ich nach einigen Wochen Gebrauch ein Ger\u00e4t doch nicht\u00a0ben\u00f6tige oder es nicht passt gebe ich es zur\u00fcck. In Deutschland muss man einen\u00a0triftigen Grund angeben, wenn man mehr als 14 Tagen auf der Matte steht. Hier\u00a0werden Produkte auch teilweise weit nach 90 Tagen auch ohne Kassenzettel\u00a0zur\u00fcckgenommen (z.B. ein ein Prakti hier sein Navi 1(!) Jahr nach Kauf bei\u00a0BestBuy auf Kulanz zur\u00fcckgeben k\u00f6nnen) \u2013 das ist Service!<\/p>\n<p>Weitere Kleinigkeiten werde ich in Deutschland vermissen. So m\u00fche ich mich in\u00a0Karlsruhe beim Aldi permanent ab, die Scangeschwindigkeit der Kassiererin mit<br \/>\nmeiner Einr\u00e4umgeschwindigkeit zu synchronisieren. Das schaffe ich oft nicht und\u00a0dann stapeln sich meine Sachen um die Kasse\u00a0rum. Hier im Aldi hat keiner Probleme damit, dass die Kassierin \u201edeine\u201c\u00a0Sachen nochmal in die Hand nimmt und in einen bereitgestellten Wagen r\u00e4umt. Man\u00a0stellt dann seinen leeren Wagen neben den vollen und geht. Geht alles viel\u00a0schneller und ist f\u00fcr den Kunden sehr bequem.<\/p>\n<p>Selbst die Post ist so freundlich hier, dass sie einem Post und Pakete bringt,\u00a0diese aber auch mitnimmt wenn man sie in den eigenen Briefkasten legt und das\u00a0F\u00e4hnchen hochmacht. \u00d6ffentliche Briefk\u00e4sten w\u00fcrden hier als extreme\u00a0Unfreundlichkeit der Post abgestempelt werden und ignoriert werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/18\/94\/34\/10569434.3419546b.500.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"338\" \/><\/p>\n<p><span lang=\"DE\"><strong>Leistungsbereitschaft<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Auch wenn die Deutschen sicherlich kein faules Volk sind, so l\u00e4d unser\u00a0Sozialsystem doch ein, sich auszuruhen. Hier wei\u00df man \u2013 \u201ewenn ich keinen\u00a0Abschluss habe muss ich unter der Br\u00fccke schlafen..\u201c Das befl\u00fcgelt allgemein\u00a0und hat alle Amis, die ich so getroffen habe, dazu gebracht horrende Kredite\u00a0aufzunehmen und Praktikas in den entlegendsten Orten der USA zu machen. Wer\u00a0nichts macht wird es auch zu nichts bringen. Vom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r\u00a0ist immer noch ein schwerer Weg, die andere Richtung ist aber wesentlich\u00a0einfacher. Geld ist in den Staaten wesentlich fl\u00fcssiger. H\u00e4lt man es nicht\u00a0zusammen, fressen Lebensstil und Faulheit gerne mal einen L\u00f6wenanteil weg.<\/p>\n<p><span lang=\"DE\"><strong>Umzugsbereitschaft<\/strong><\/span><\/p>\n<p>F\u00fcr einen Amerikaner ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass er dort hinzieht wo er\u00a0Arbeit findet. Der enorme amerikanische Erfolg von Facebook gr\u00fcndet sich auch\u00a0auf solche Tatsache, dass ein amerikanischer Freundeskreis \u00fcber gigantische Entfernungen\u00a0verstreut sein kann. Der Umzugsort ist dann schnell die neue tempor\u00e4re Heimat.\u00a0Ein Eigenheim ist auch deshalb nur aus Holzlatten zusammengenagelt, da man es\u00a0ja jederzeit wieder verkaufen m\u00f6chte. Das europ\u00e4ische Konzept \u201eIch baue ein\u00a0Haus und wohne dort die n\u00e4chsten 60 Jahre\u201c ist hier nicht bekannt. Ich denke\u00a0auch bei uns wird diesbez\u00fcglich bald ein Umdenken einsetzen, wenn die\u00a0Verst\u00e4dterung weiter zunimmt und zunehmend Landstriche ver\u00f6den.<\/p>\n<p>Trotzdem h\u00e4ngt man hier auch an seiner Heimat und freut sich nat\u00fcrlich auch\u00a0wieder Freunde und Familie zu treffen. Das Wiedersehen ist dann aber oft ein\u00a0gro\u00dfes Fest und verkommt nicht zu t\u00e4glicher Routine. Weit weg wohnen hat auch\u00a0seine Vorteile.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/17\/07\/41\/9930741.e2539fc3.500.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"338\" \/><\/p>\n<p><span lang=\"DE\"><strong>Weniger Verkehrsregeln sind oft\u00a0mehr.<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die deutsche Verkehrsregelungswut vermisse ich hier nicht. Auch wenn hier jeder\u00a0vom fehlenden Tempolimit in Deutschland schw\u00e4rmt, so f\u00e4hrt es sich hier mit\u00a0Tempolimit, aber mit weniger Verkehrsregeln, wesentlich gem\u00fctlicher. Rechts und\u00a0links \u00fcberholen ist kein Problem, funktioniert aber tats\u00e4chlich nur wegen dem\u00a0exisitierenden Tempolimit von 60-70 Meilen\/h. An der Ampel rechts abbiegen geht\u00a0fast immer. Jeder cruist gem\u00fctlich durch die Gegend und ist stressfrei. Keiner\u00a0Dr\u00e4ngelt oder regt sich k\u00fcnstlich auf. An der Ampel wird auch mal gebremst wenn\u00a0es grad gelb wird und wenn man mal zu schnell f\u00e4hrt &#8211; man kann immer noch den\u00a0Officer aus einer Strafe rausreden (versucht das mal bei einem Blitzer&#8230;).<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/u1.ipernity.com\/18\/46\/14\/10284614.637053e7.500.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"301\" \/><\/p>\n<p><span lang=\"DE\">Gr\u00fc\u00dfe an Ute, die bereits die\u00a0finnischen Tugenden aufgez\u00e4hlt hat: <a href=\"http:\/\/uteunterwegs.de\/2011\/05\/was-die-deutschen-von-den-finnen-lernen-koennen\/\" target=\"_blank\">http:\/\/uteunterwegs.de\/2011\/05\/was-die-deutschen-von-den-finnen-lernen-koennen\/<\/a> <\/span><span style=\"font-family: Wingdings;\" lang=\"DE\"><span>\ud83d\ude42<\/span><\/span><\/p>\n<p>Zur Vollst\u00e4ndigkeit: <a href=\"http:\/\/hofherr.kulando.de\/post\/2011\/06\/06\/was-amerikaner-von-den-deutschen-lernen-k-nnen\" target=\"_blank\">http:\/\/hofherr.kulando.de\/post\/2011\/06\/06\/was-amerikaner-von-den-deutschen-lernen-k-nnen <\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In meinen bald 5 Monaten habe ich\u00a0viel \u00fcber die &#8222;verr\u00fcckten&#8220; Amis geschrieben und dass alle hier am Rad\u00a0zu drehen scheinen. Doch selbst von den Amis k\u00f6nnen sich die Deutschen einige\u00a0Scheiben abschneiden was diverse Dinge angeht. Uniformen elimieren soziale\u00a0Unterschiede. Auch wenn viel \u00fcber das amerikanische Arbeitssystem, mit seinen 7 Tage Wochen\u00a0und fehlender Krankenversicherung, gemeckert wird. 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